Greta Hoheisel, 2013

Wie ein Vorhang öffnen sich die Fahrstuhltüren. Hinter ihnen offenbart sich weder ein opulentes Schauspiel noch eine große Erzählung. Hinter ihnen liegen vielmehr andere geöffnete Fahrstühle. Wenn sich die Türen zum wiederholten Mal aufschieben, eröffnen sie den Blick auf einen geschwungenen Treppenaufgang, eine Rolltreppe oder eine alltägliche Fahrstuhlszenerie: Das Innere einer räumlich streng strukturierten, rhythmisierten und ästhetisierten Welt. Ein Außen aber – und damit ein möglicher Ausweg – kommt in Anuk Miladinovićs Videoarbeit „access“ (2012) nicht in Sicht.

Räume sind ein Konstrukt, eine Komposition, eine Setzung. Das wird in den Videoarbeiten und Installationen der Künstlerin deutlich. Dabei erscheinen die komponierten Räume besonders in den neueren Videoarbeiten als irritierende Welten. Wie in ein Unterbewusstsein kann man in sie hinabsteigen. Dort zeigen sich aber keine emotionalen Tiefen in epischer Form, vielmehr offenbart sich eine vollkommene Entleerung, die dafür umso tiefer wirkt. Der Betrachter bleibt zurückgeworfen auf sich selbst. Manch einer füllt diese Leere mit Lachen, ein anderer mit Unbehagen. Fern jeder eindeutigen Moral oder Symbolik führen Anuk Miladinovićs Videos eine emotionslose Welt vor, die Raum für Emotionen lässt – aber sie bleiben unbestimmt, auf der Kippe und ein wenig im Halse stecken.

In den Filmen „ordinance“ (2014) und „access“ (2012) fügen sich Figuren in die Umgebung. Sie wirken wie Statisten der Architektur, leere Hüllen in grauen Anzügen, die sich hochästhetisiert mit der Umgebung homogenisieren. Meist wartend, erscheinen sie gefangen in banalen, alltäglichen Handlungen. Man könnte Anuk Miladinovićs Videoarbeiten „Nicht-Erzählungen“ nennen. So wie die von ihr komponierte Architektur kein Außen kennt, so haben diese „Nicht-Erzählungen“ keinen Anfang und kein Ende. „Nicht-Erzählung“ kann jedoch nur stattfinden, wenn die Möglichkeit einer Erzählung aufscheint. Andeutungen finden sich so auch in kurzen, irritierenden, menschlichen Regungen der Figuren, wie beispielsweise einer steifen Umarmung, die sich jedoch jedem Zusammenhang, jedem Vorher und Nachher und damit einer Erzählbarkeit entziehen.

In ihrem neuen Video „Košava“ (2013), das Anuk Miladinović im Rahmen der Ausstellung „Die ersten Jahre der Professionalität“ zeigt, deutet die Künstlerin vor dem Hintergrund industrieller Architektur Belgrads ebenfalls eine Erzählung an, die jedoch rätselhaft unaufgelöst bleibt. Die Dialoge sind kryptisch, sie scheinen um Funktionsweisen von Maschinen und Systemen zu kreisen. Ob die Figuren Schöpfer oder Gefangene dieser Maschinen und Systeme sind, bleibt unklar. Vielleicht sind sie beides zugleich, denn „Every system is somebody’s sub-system“, wie eine Figur es formuliert.