Mira Sacher, zu “PARTING, dedicated to RM”, 2016

Zuerst ist da Nichts. Ein Nebel, der sich nur langsam auflöst. Ein asphaltierter Weg, der vom Fluchtpunkt abgeschnitten wird. Das dunkle Grau, das glänzende Grau, das helle Grau einer Brücke, die herausgenommen wurde aus ihrer Umwelt. Sie ist der Schauplatz für eine immer wiederkehrende Handlung.


Drei Mäntel hängen in der Mitte des Geländers. Die minimale Unordnung unterstreicht die geometrische Präzision der nüchternen Umgebung. Die weiße Fläche des Himmels ist so undurchdringlich wie die klare Geometrie des grauen Betons. Eine Kulisse an der jedes Geräusch abprallt: das schrille Kreischen der Möwen, das harte Getrappel von Füßen. Es ist ein Ritual der Unruhe, ein Ritual der Flucht. Niemand weiß, was sie vorantreibt. Vier Menschen, die nicht sprechen. Sie kennen sich schon lange. Sie rennen ihren Weg, jeden Tag. Bis einer von ihnen geht. Sie bereiten sich auf diesen Abschied vor. Wie ein Sportler, der endlich das Spielfeld betritt.
Drei Menschen, die nicht sprechen. Sie kennen sich schon lange. Sie warten. Es ist still. Wind weht. Ihre Schritte sind auf dem grauen Beton fast nicht zu hören. Drei Paar Handschuhe am Betonufer, von den dreien, die dort sitzen und aufs Wasser blicken. Vielleicht hat ihre Unruhe aufgehört. Vielleicht halten sie nur kurz inne. Drei Orte, drei Paar Handschuhe, drei Mäntel und das Grau der Brücke, dann Nichts.